Musterlösung der Nav Challange 2007
 
Zur Auswertung und Bestimmung der richtigen Einsendungen
 

Zunächst einmal vielen Dank an alle, die Ihr Euch die Mühe gemacht und die Zeit genommen habt, um die Aufgabe zu bearbeiten. Wir hoffen Ihr habt Spaß daran gehabt und auch etwas dabei gelernt.

Um Euch da draußen für das nächste Mal wissen zu lassen, wie wir uns die Lösung der Nav Challenge gedacht haben, und um das nächste Mal vielleicht mehr als diese enttäuschend kleine Anzahl von Einsendungen zu erhalten, posten wir hier eine (hoffentlich) umfassend ausgearbeitete Musterlösung mit Erklärungen zu allen Abschnitten des Fluges. Wer noch Fragen hat, kann diese natürlich jederzeit dem Webmaster mailen.

Wie Ihr mit Google Earth am besten arbeitet bei dieser Aufgabe, haben wir in den "Handwerklichen Hinweisen zur Lösung der 321 NavChallenge" beschrieben.

Wenngleich einige Dinge und Fakten in dieser Aufgabe stark vereinfacht oder gleich weg gelasssen wurden, so kommt sie vom Prinzip her der Wirklichkeit bei den Tigers schon ziemlich nah.

Natürlich muß in der Fliergerei auch etwas gerechnet werden können, dennoch beschränken sich die Anforderungen hierbei lediglich auf die Grundrechenarten. Das Schwierigste dürfte das Rechnen mit Stunden, Minuten und Sekunden sein.

Was unsere Hotshots im Cockpit nach Ausfall der elektronischen Hilfsmittel praktizieren ist zum Einen die auf Sicht gestützte Navigation nach markanten Geländepunkten (visual navigation) und das was der Fachmann "Dead Reckoning (DR)", bzw. auf Deutsch die "Koppelnavigation" nennt. Hierbei hangelt man sich praktisch mit Hilfe gegebener Kurs Parameter von Wendepunkt zu Wendepunkt, und überprüft und bestätigt seine Position von Zeit zu Zeit (Fixing). Die vier maßgeblichen Werte, wie sie eigentlich in der Flugplanung ausgerechnet, bzw. gemessen und auf dem Flightlog niedergeschrieben werden, sind:

  1. Fluggeschwindigkeit über Grund ohne Windeinflüsse (Groundspeed GS), gemessen in Nautischen Meilen pro Stunde (NM/h), oder Knoten (Seemeilen pro Stunde). Die geplante GS ist in der mil. Jet Fliegerei konstant in der jeweiligen Einsatzphase. Im Friedenstiefflug beträgt die Reisegeschwindigkeit konstante 420 Knoten, also 7 NM pro Minute (somit 7 NM/60 Sek = 0,11666 NM/Sek).
  2. Kurs, bezogen auf geografisch Nord, der sog. "True Ground Track (TGT)",
  3. Flugzeit t zum nächsten Wendepunkt (Waypoint WP) und/oder Entfernung d dazu. Ein Wert von beiden reicht, denn der andere kann aufgrund der konstanten GS leicht errechnet werden. Also für einen Schenkel (leg) des Fluges, Flugzeit t = d : GS bzw. Entfernung d = GS * t

In unserer Aufgabe ergeben sich bestimmte Kombinationen gegebener Informationen. Was haben Sie damit zu tun, um zu einer Lösung zu kommen:

  1. Kurs und Entfernung sind gegeben.
    Ziehen Sie eine Linie in Flugrichtung (TGT) vom letzten WP weg und messen Sie darauf die gegebene Entfernung ab. Schon haben Sie den nächsten WP. Überprüfen Sie anhand der Beschreibungen im Text. Berechnen Sie die Flugzeit und addieren Sie auf.
  2. Kurs und Zeit sind gegeben.
    Berechnen Sie die Enfernung zum nächsten WP mit Hilfe der Flugzeit (am besten in Sekunden), also z.B. 36 Sek. * 0,11666 NM/Sek = 4,2 NM. Ziehen Sie dann auf der Karte vom letzen WP eine Linie in Flugrichtung und messen Sie mit Hilfe des Lineals 4,2 NM ab. Überprüfen Sie anhand der Beschreibungen im Text.
  3. Zeit und/oder Entfernung sind gegeben.
    In diesem Fall sind immer andere konkrete Hinweise zum nächsten WP gegeben. Lesen sie die Angabe sorgfältig, recherchieren Sie wenn nötig im Internet, oder in anderen Quellen, um den WP zu bestimmen. Überprüfen Sie Ihre Lösung anhand der gegebenen Entfernung vom letzten WP (evtl. zu errechnen aus der geg. Flugzeit).

Der Abflug erfolgt von der Hauptlandebahn beim AG 51 "Immelman" in Schleswig. "Startbahn 23" bedeutet, daß der Start in Richtung 230 Grad erfolgt, also nach Südwesten. Wenn man nicht herausfinden kann, was von den beiden die Hauptlandebahn ist, dann ist das auch nicht weiter schlimm, denn auch von der anderen aus sind die Werte für den nächsten Schenkel (Leg) gültig und die Beschreibung des nächsten WP sollte eindeutig sein, auch wenn man etwas daneben "raus kommt".

 

Flightlog 

(Eintrag in Grün bedeutet, daß dieser Wert in der Angabe gegeben war!)

leg #

nächster Wendepunkt (WP)

Kurs zum WP bezogen auf geogr. Nord

Entfernung in NM

Flugzeit (Min) bei 420 Knoten GS

akkum. Flugzeit (Min)

Bemerkung

1

Nordholz, MFG 3, Mitte der Startbahn

215

50,6

7:14

7:14

 

2

Wittmund, JG 71, Mitte Startbahn

249

37,7

5:23

12:37

 

3

Leeuwarden, Mitte Startbahn

256

71,4

10:12

22:49

 

4

Gedenkstein Major Nowotny Nähe Epe (Brahmsche),

122

95,1

13:35

36:24

bei Google Earth eingetragen -> Suche

5

Geilenkirchen, NATO AWACS Platz, Mitte Startbahn

220

115,2

16:28

52:52

nichts gegeben -> Internet Recherche

6

Nürburgring in der Eifel

138

51,0

7:16

1:00:08

 

7

Ramstein US Basis neben Kaiserslautern

154

59,4

8:29

1:08:37

K-Town, US slang für Kaiserslautern (Intenet Recherche)

8

Colmar, Mitte der Startbahn

185

91,2

13:00

1:21:37

 

9

Bremgarten, ehemals AG 51 "I",
Mitte Startbahn

097

8,8

1:16

1:22:53

 

10 Tannhausen Nähe Memmingen 087 100,1 14:18 1:37:11

Tannkosh ->Internet Recherche

11 Ottobeuren Abtei 118 9,0 1:17 1:38:28  
12 Ammersee, Südende 090 33,8 4:50 1:43:18  
13 Jesenwang Sportflugplatz 357 14,1 2:01 1:45:19  
14 Landsberg, Ostende der Startbahn 234 10,35 2:15 1:47:34  
      747,75 NM    

geplante Gesamtentfernung

15 Überschießen bei Leeuwarden 3:00 1:50:34  
16 Vollkreis beim "Rheindahlen Military Complex" 1:30 1:52:04

tatsächliche Gesamtflugzeit

 
zu leg #1: Kurs+Zeit gegeben. Entfernung berechenbar: d = 0,11666 NM/sek * 434 Sek = 50,6 NM.
Eine Linie vom Startbahn Ende in Richtung 215 schneidet den Marine Flugplatz Nordholz. Ein Punkt auf dieser Linie 50,6 NM vom Startbahnende in Schleswig entfernt befindet sich genau über der Mitte der Startbahn.
zu leg #2: Der geschätzte Kurs von 240 Grad weicht nicht sehr weit vom wahren Kurs 249 Grad ab. Linie ziehen, 37,7 NM abtragen und schaun, welcher Flugplatz in der Nähe liegt. Wittmund sollte sofort in's Auge fallen. Flugzeit gegeben für Akkumulation der Gesamtflugzeit.
zu leg #3: Kurs und Entfernung vorgegeben: "peace of cake!" Der Flugplatz Leeuwarden (oder das, was Google Earth davon noch übrig gelassen hat) ist der WP. Die Flugzeit kann man leicht ausrechnen: 71,4 NM : 0,11666 NM/Sek = 612 Sek oder 10:12 Min. Der kleine Ausflug zum Käseroller Betrieb fällt bei der Berechnung der Gesamtflugzeit mit zweimal 1:30 Min ins Gewicht. Da in der Lösung nach der geplanten Gesamtweglänge gefragt ist, fällt der Weg dafür unter den Tisch.
zu leg #4: Kurs und Flugzeit gegeben. Entfernung ausrechnen und WP durch Konstruktion auf der Karte finden. Der Punkt ist auch in Google Earth eingezeichnet, wenn man das richtige Overlay auswählt, bzw. die Suchfunktion nutzt um nach Maj. Nowotny zu suchen. Das Gezatter mit RADAR und dem Mittellandkanal soll demonstrieren wie es gemacht werden kann, wenn z.B. die Uhr stehen bleibt und visuelle Referenzen am Boden schwer erkennbar sind oder fehlen.
zu leg #5: NATO, AWACS, B-707 und "Dreiländer Eck" sind gegeben. Damit sollte es ein Leichtes sein über eine Internet Recherche auf den Flugplatz Geilenkirchen zu stoßen. Entfernung mit dem Google Earth Lineal in NM !!! ausmessen und Flugzeit berechnen wie bei leg #3.
zu leg #6: Kurs und Zeit gegeben. Entfernung ausrechnen und WP konstruieren. Schumi winkt natürlich von unten vom Nürburgring beim Training. Der WP ist die große Brücke, wo sich die Strecke kreuzt.
zu leg #7: Nur Entfernung gegeben. Etwas schwieriger. Da es aber nicht mehr sehr viele US Basen in Deutschland gibt und diese samt und sonders in der Pfalz liegen, ist die grobe Richtung vom Nürburgring aus schon vorgegeben. Bei einer Entfernung von 59,4 NM stößt man genau auf "Ramstein AFB" (kennt man von der Katastrophe) mit der Stadt Kaiserlautern (kennt man vom Fußball) daneben, im Ami slang "K-Town" genannt. Die Flugzeit berechnet sich wie bei #3.
zu leg #8: Kurs (sorry 10 Grad Fehler anfänglich in der Angabe) und Flugzeit gegeben. Entfernung ausrechnen. WP ist der französische Flugplatz Colmar/Meyenheim.
zu leg #9: Kurs und Zeit gegeben. Entfernung ausrechnen. WP ist der Flugplatz Bremgarten, Heimat des AG 51 "I" bis 1993, ehe der Umzug nach Schleswig und die Zusammenlegung mit dem AG 52 aus Leck erfolgte (sowie die Umrüstung von RF-4E Phantom auf TORNADO IDS.
zu leg #10: Nur Kurs gegeben. Eine Google Suche nach "Tannkosh" läßt schnell den Grasplatz Tannheim bei Memmingen finden. Eine Überprüfung mit dem geg. Kurs ist sinnvoll. Entfernung ausmessen und Flugzeit berechnen. Beides akkumulieren (aufrechnen) für die Gesamtsumme.
zu leg #11: Kurs und Distanz gegeben. Flugzeit ausrechnen. Akkumulieren. WP ist das riesige Kloster von Ottobeuren.
zu leg #12: Kurs gegeben, Entfernung kann mit gesundem Menschenverstand und etwas Kombinationsvermögen aus der Anleitung heraus gefunden werden. Wenn nach 3,8 NM zurückgelegtem Weg das Ziel auf dem Radarschirm in 30 NM Entfernung erscheint, dann ist die Gesamtentfernung dorthin natürlich 3,8 NM + 30 NM = 33,8 NM. Die Flugzeit errechnet sich hieraus zu 4:50 Minuten.
zu leg #12: Nun sind wir dem Ziel der Mission schon recht nahe gekommen und wenn man nach links raus schaut, kann man es schon ziemlich gut erkennen. Für das vorletzte Leg sind Richtung und Entfernung gegeben. Die Flugzeit errechnet sich daraus zu 2:01 Min. Der WP ist der Kleinflugplatz Jesenwang.
zu leg #13:

Dieses Leg hat bei den Meisten wohl die größte Verwirrung ausgelöst. Irgendwie waren viele Teilnehmer soooo auf Lechfeld als Landeplatz fixiert, daß sie die Beschreibung des Anfluges im Text total ausser Acht gelassen haben. Dort steht: " Nach kleineren Kurskorrekturen um sich auf der direkten Verlängerung der Landebahn abzusetzen und Verringerung der Geschwindigkeit auf Landegeschwindigkeit, landen unsere Freunde genau 2:15 Minuten nach dem letzen Wendepunkt." Nun läßt sich darüber streiten, was kleinere Kurskorrekturen sind, es ist aber leicht einzusehen, daß bei einem Anflug von Jesenwang aus, sowohl die Landung in nördlicher, als auch die Landung in südlicher Richtung in Lechfeld nur funktionieren könnte mit dem, was die Flieger ein "Hajacka Manöver" nennen würden. Der Landeplatz ist natürlich Landsberg, das LTG 61. Nach Lechfeld müßte man auch keinen Tornado einfliegen um ihn auszustellen, denn dort stehen genügend davon rum. Der Vortrag sollte über Flugzeug und Einsatzkonzept im Allgemeinen sein und nicht speziell über den RECCE oder ECR. Die Angabe der Flugzeit dient lediglich für die Findung der Gesamtflugzeit.

Aufgrund der Möglichkeit, daß für einen Laien das Vorhandesein des allzu großen Winkels des Endanfluges zur Richtung der Runway nicht gleich als Problem erkennbar ist, lassen wir beide Lösungen, Landsberg UND Lechfeld, gelten!

Anflüge nach Lechfeld: Lechfeld Anflug von Jesenwang

Anflug nach Landsberg/Penzing: penzing endanflug

 

Gesamtlösung:

  1. Landeplatz:
    Landsberg (LTG 61, Penzing), Lechfeld gilt auch
     
  2. Flugdauer (siehe Flightlog oben):
    1 Stunde, 52 Minuten und 4 Sekunden
     
  3. Geplante Gesamtstrecke (siehe Flightlog oben):
    747,75 NM * 1,852 (Umrechnungsfaktor NM zu km) = 1384,83 km
     
  4. Verbrauch:
    112 Minuten Flugzeit * 30 Kg/min * 2 Triebwerke = 6720 Kg
     
  5. Ist das zu schaffen?
    Hier gab es leider einige Verwirrung bei der Berechnung der Vorraussetzung. So wie es geschrieben ist "... 800 Kg Sprit für engine-start+taxi+takeoff und vorschriftsmäßig verbleibender Reserve ...", ist gemeint, daß 800 Kg auch die Reserve beinhaltet. Leider haben einige Leute, die offensichtlich mit den real life fliegerischen Vorschriften bewandert sind, noch einmal Sprit für 30 Minuten Reserve dazu addiert. Bei nochmaligem Überdenken (oder Nachfragen bei uns) hätte man aber darauf kommen können, daß der Reserve Sprit nicht auf einem Low Level Fuel Flow von 2*30 Kg/Min basieren kann (basieren dürfte) sondern auf der Annahme eines Holdings, bzw. einer Transition zum Ausweichflugplatz, in FL xxx, was einen weit geringeren fuel flow erzeugen würde.

    Die Spritmenge für einen vollen 3-Tanker finden Sie hier veröffentlicht (unterhalb des Bildes "Der ECR von außen"), und beträgt im Mittel (Temperatur abhängig) 8170 Kg.

    somit also: 6720 Kg + 800 Kg = 7520 Kg < 8170 Kg

    Der Flug ist somit leicht zu schaffen!!!!

Im "richtigen Leben" rechnet man mit nur 400 Kg für Start+Taxi+Takeoff plus einen Reserve Sprit, der von der Entfernung zum aktuellen, bzw. dem bei der Landung geplanten, Ausweichflugplatz (z.B. Manching) abhängt, als Mittelwert ca. 1000 Kg. Das bedeutet für diesen Flug: 6720 Kg + 400 Kg + 1000 Kg = 8120 Kg und wäre somit auch zu schaffen (inklusive einem Anflug, climbout, 20 Minuten Holding, Transition in FL 100 zum Ausweichflugplatz).

 
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